Suche
  • Annette Lederer Psychologin

Wie du durch Gewaltfreie Kommunikation mehr Tiefe in dein Leben und deine Beziehungen bringst



Kommunikation ist der Schlüssel für Beziehungen. Doch wie schafft man es, wirklich wertschätzend und offen miteinander zu kommunizieren? Wieso kommt es überhaupt dazu, dass man sich in Konflikte hineinsteigert und was kann man während eines Konflikts tun? Diese Fragen werde ich im folgenden Artikel beantworten und dir das Konzept der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach M. B. Rosenberg vorstellen.



Was ist die Gewaltfreie Kommunikation (GfK)?


Die Gewaltfreie Kommunikation (kurz: GfK) ist ein Kommunikationskonzept, welches einen einfachen Leitfaden für Konfliktsituationen liefert. Das Modell der GfK kann allerdings auch über Konflikte hinaus im Alltag angewendet werdet. Die GfK hilft einem dabei, wertschätzend miteinander zu sprechen und gewaltvolle Dynamiken von Schuld, Vorwurf oder Kritik zu vermeiden.


Die Gewaltfreie Kommunikation wurde von dem amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg in den 70ern entwickelt. Rosenberg hat als Jugendlicher selbst Gewalt und Diskriminierung erlebt. Diese Erfahrungen haben ihn so sehr geprägt, dass er beharrlich nach Wegen gesucht hat, mehr Einfühlsamkeit und Mitgefühl in die Welt zu tragen. Entstanden ist daraus die Gewaltfreie Kommunikation.




Die 4 Schritte der GfK


Die GfK besteht aus den folgenden 4 Schritten, die nacheinander angewendet ihre größte Wirkung entfalten:

  1. Äußere eine Beobachtung und beschreibe möglichst objektiv eine vorgefallene Situation.

  2. Benenne, welches konkrete Gefühl diese Situation in dir ausgelöst hat, indem du von dir und deinem Erleben sprichst (z.B. traurig, wütend, genervt).

  3. Benenne, welches Bedürfnis hinter diesem Gefühl steckt, indem du möglichst abstrakt ausdrückst, was dir wichtig ist (z.B. Sicherheit, Offenheit, Planbarkeit)

  4. Äußere eine Bitte, in der du möglichst konkret und positiv formulierst, wie dein Gegenüber oder du dich selbst jetzt unterstützen kannst, um dein Wohlbefinden zu vergrößern.


Gewaltfreie Kommunikation einfach erklärt
Die 4 Schritte als Grundgerüst der GfK

Hier mal ein Beispiel: Mein Partner hat mich zum dritten Mal versetzt und kurzfristig unser gemeinsames Abendessen abgesagt. Ich kann nun entweder wie folgt reagieren: „Du hast mich schon wieder versetzt. Hast du überhaupt mal drüber nachgedacht, dass du mich damit vielleicht verletzt? Was denkst du dir eigentlich dabei?“

Oder mich darin bemühen, die 4 Schritte anzuwenden: „Als du mir vorhin geschrieben hast, dass du nicht zum Abendessen kommst und mir damit jetzt das dritte Treffen abgesagt hast, hat mich das wirklich traurig gemacht. Mir ist wichtig, dass ich dir vertrauen kann und du mir Zeit und Aufmerksamkeit schenkst. Würdest du mir erzählen, was im Moment bei dir los ist und mir mehr erklären, wie es dazu kam?“

Entscheide selbst: Welche Aussagen helfen dir, mit deinem Partner in einen fruchtbaren Austausch zu kommen…?




Was bedeutet gewaltvolle Kommunikation? Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich gewaltvoll kommuniziere?


Wenn du die GfK kennenlernst, wirst du feststellen, dass im Alltag ständig „gewaltvoll“ miteinander gesprochen wird. Interpretationen, Verallgemeinerungen und Werturteile sind am Arbeitsplatz oder im gemeinsamen Wohnen alltäglich. Und so hören wir immer wieder

ähnliche Sätze wie diese: „Du kümmerst dich nie um den Putzdienst“, „Der Kollege macht einfach schlechte Arbeit und ist ehrlich gesagt auch etwas faul.“ In Partnerschaften äußern wir oft nur Pseudo-Gefühle, ohne wirklich von uns zu sprechen („Ich habe das Gefühl, du liebst mich nicht.“) und fordern ein, was wir brauchen, statt danach zu bitten („Nimm dir am Wochenende doch wirklich mal wieder Zeit für mich“).



Gewaltfreie Kommunikation einfach erklärt
Gewaltvolle Kommunikation ist oft unsere Alltagssprache

Diese „lebensentfremdende Kommunikation“, wie Rosenberg sie auch nennt, ist fast in unser Fleisch und Blut übergegangen. Oft bemerken wir gar nicht, dass wir eigentlich auf Egoismus, Kriegsfuß und Konflikt gepolt sind und dabei innerlich verhärten.


Du bist also keineswegs ein schlechter Mensch, wenn du ab und an gewaltvoll kommunizierst! Du wirst nur bemerken: Offen von sich zu sprechen und dem Gegenüber mit Wohlwollen zu begegnen, ist berührend, bereichernd und lässt dich mehr die positiven Seiten des Lebens erfahren und diese feiern! 😊




Wieso wirkt die GfK?


Die 4 Schritte der GfK (siehe oben) sind so konzipiert, dass sie einen offenen und zugewandten Dialog fördern. Je mehr Interpretationen, Schuldvorwürfe oder Kritiken in deinen Aussagen stecken, desto wahrscheinlicher wird dein Gegenüber sich emotional verschließen. Er wird sich z.B. rechtfertigen und dir an den Kopf werfen, was du alles falsch gemacht hast. Dadurch manövriert man sich in einen Teufelskreis von gegenseitigen Anschuldigungen, der Kräfte zehrend ist und Verletzungen verursacht.


Die GfK unterstützt dich, im gegenwärtigen Moment zu bleiben und nicht in alte Kränkungen zu verfallen. Außerdem hilft sie dir, von dir zu sprechen und dich dadurch verletzlich zu zeigen. Erst dann kann sich Mitgefühl und wahre Nähe und Verbundenheit einstellen.



Gewaltfreie Kommunikation einfach erklärt
Gewaltfreie Kommunikation hilft, in einen nahen Austausch zu kommen


Wie kann dich die GfK in deinen engen Beziehungen unterstützen?


Wenn eine schwierige Situation aufgetreten ist, die du mit deinem Partner oder deiner Partnerin besprechen willst, werden die 4 Schritte dir helfen, im Vorhinein zu strukturieren, was du ihm oder ihr mitteilen möchtest. Das kann ein super Anfang sein, um möglichst zugewandt in einen Dialog zu starten!


Während des Konflikts kannst du immer wieder neu die 4 Schritte anwenden: Die Beobachtung kann sich beispielsweise darauf beziehen, was konkret dein Gegenüber zuvor gesagt hat, welche Gefühle dies in dir auslöst und welche Bedürfnisse dabei verletzt werden.

Ein weiterer Tipp wäre, den anderen immer wieder bitten zu wiederholen, was du zuvor gesagt hast. Damit stellt ihr sicher, dass ihr einander wirklich versteht und keine Missverständnisse aufkommen.


Des Weiteren kannst du die 4 Schritte auch immer auf dein Gegenüber anwenden. Dafür kannst du erfragen, welche Situation genau welche Gefühle ausgelöst hat und was deinem Partner/ deiner Partnerin eigentlich wichtig ist. Du kannst ihm dann für sein innerliches Erleben Empathie und Verständnis schenken.


Wenn ihr euch gegenseitig darin hört, was eure ehrlichen Gefühle und Bedürfnisse sind, und euch Verständnis dafür schenkt, werdet ihr tiefes Vertrauen ineinander aufbauen.




Wie kannst du die GfK in deinen Alltag integrieren?


Übung macht den Meister! Notiere dir die 4 Schritte und wende sie sooft es geht im Alltag an.


Beschäftige dich mehr mit dem Thema und verstehe die Prinzipien! Höre kostenlos auf Spotify das Hörbuch „Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens“ von Rosenberg.


Kontaktiere mich, wenn du dir persönliche Unterstützung und professionelle Begleitung in dem Thema wünschst. Hier gelangst du zu meinen Kontaktdaten.




Ich wünsche dir viel Freude, dich mit der GfK zu beschäftigen!

Für mich ist die Gewaltfreie Kommunikation inzwischen eine treue Begleiterin im Alltag geworden und sie bereichert mich in Freundschaften, Arbeitsbeziehungen und in der Partnerschaft. Mach am besten deine eigenen Erfahrungen und überzeuge dich selbst durchs Ausprobieren und Tun! 😊



0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen